Froschtuempel
                Froschtuempel - "Trübe Brühe, schmeckt aber!"
Geheymakten 4

Der kleine Racker im Igelkostüm führte mich durch düstere Gänge und Großraumbüros mit langen Tischen, wo Gesichter von Menschen schwach von Monitoren beleuchtet waren. „Das ist das Hauptquartier der Firma“ sagte er und machte mit einem seiner Ärmchen eine kreisrunde Bewegung über seinem Kopf, so als wollte er ein Lasso schwingen. „Aha, na das ist ja auch was“, sagte ich um etwas zu sagen. Ins Hauptquartier kommen wir Dipl-O-maten normalerweise nur bei schweren Funktionsfehlern, ich war das erste Mal hier. Schöne Sauerei, was war jetzt? „Machen Sie sich keine Sorgen, es gibt nur eine Anhörung.“

Ich entspannte mich wieder. Wir schritten weiter durch eine Lagerhalle, in denen große Schachteln bis an die Decke gestapelt waren. „Alles Kollegen von Ihnen“, sagte das Kind.Wir nahmen eine Treppe nach oben und dort schubste mich der Junge in einen Seminarraum voller Leute. „Viel Spaß!“ rief er und schloss die Tür von außen.

Ich suchte mir ein Plätzchen, stellte mein Köfferchen zur Seite und wartete. Ein Herr kam vorbei und steckte mir einen Stecker ins Ohrloch. Aha.Auf dem Podium saß eine alte Frau im Rollstuhl. Sie schaute kurz über die Anwesenden hinweg und sprach: „Meine lieben Freunde…“, als jemand gegen die Tür hämmerte. „Öffnet das Tor!“ rief eine Stimme vor der Tür. „Öffnet das Tor!“

Die Rollstuhlfahrerin stöhnte leise und murmelte etwas. Weil ich eingestöpselt war wie alle anderen, konnte ich es trotzdem verstehen: “Zu spät...“ Für was es zu spät war, dazu wollte sie sich nicht äußern. Sie rollte zur Tür und öffnete sie. Draußen stand ein anderes Kind, diesmal ein Mädchen mit weißen Engelsflügeln. „Öffnet das Tor!“, sagte der kleine monothematische Engel und rannte dann quietschend die Treppe hinunter. „Hinterher!“ rief die Rollstuhlfahrerin. Ihre Stirn hatte dabei eine steile Falte in der Mitte.

Also liefen wir ihr hinterher, die Treppe wieder hinunter, durch die Lagerhalle. Dort war das Mädchen auf die Regale geklettert und sprang nun wie ein Äffchen von einem zum anderen und warf die Kisten hinunter. Abgeschaltete Dipl-O-maten in Anzügen fielen aus ihnen heraus und lagen übereinander wie Schaufensterpuppen. Da ich gleich bei der Tür gesessen hatte und damit einen guten Start erwischt, war ich auch am dichtesten an ihr dran. Ich stieg auf einen Regalboden und erhaschte ihren Rockzipfel. Sie sprang dummerweise direkt auf meinen Kopf und schickte mich damit ins Land der Träume. Als ich wieder zu mir kam, beugte sich die Frau aus dem Rollstuhl über mich. „Öffnet das Tor!“ flüsterte ich und sie rollte mit den Augen.
2.10.15 22:55
 
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