Froschtuempel
                Froschtuempel - "Trübe Brühe, schmeckt aber!"
Geheymakten 2

Gerade hatte ich meine Exilheimat, die Verheymlichten Staaten von Amerika, verlassen, da begegnete mir auf einer Fähre von A nach B ein ganz eigenartiger Fall. Ich weiss noch, wie ich an der Reeling stand und vergeblich versuchte, Möwen zu fotografieren. Tsunamis so gross wie Katzen schwappten gegen den Bug, als ein unbeschreiblicher Tumult meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Ich vermied den Verlust meiner Kamera nur mühsam, die ich vor Schreck hatte über Bord werfen wollen, denn was da ans Tageslicht platzte, mein lieber Scholli.
Um die optische Ungeheuerlichkeit hatte sich eine aufgestachelte Menschenmenge geballt, die in ihrer Fassungslosigkeit nach Autorität verlangte. Ich erkannte das Problem glücklicherweise recht schnell und hielt den Leuten einen meiner vielen gefälschten Ausweise unter die Nase.
"Beruhigen sie sich, ich bin von der Behörde soundso und genau der richtige für dieses Problem. Danke, dass sie ihn gleich zu mir gebracht haben. Ich regle das für sie, sie können jetzt wieder verduften."
Natürlich gab es jetzt wieder einige, die noch nie von dieser Behörde gehört hatten und andere, die die Echtheit meines Ausweises anzweifeln wollten und wieder andere, die sich bereits mit Klappstühlen bewaffneten, aber ich konnte mich auf die herbeieilende Crew verlassen, die vor allem eines wollte: Ruhe an Bord. Die hielten mir die lästigen Zweifler vom Hals, gaben ihnen Gutscheine für Cocktails und so weiter und sorgten für einen ruhigen, abgesperrten Platz am Sonnendeck, an dem ich meine Untersuchungen beginnen konnte. Natürlich wurden wir aus allen möglichen Bullaugen aus angeglotzt aber eine freie Fläche war mir wesentlich lieber als ein geschlossener Raum, weil ich mich in geschlossenen Räumen nun mal nicht wohl fühle und die Sonne so schön schien.

"So, Herr...", begann ich.
"Ewald Matterhorn."
"Herr Matterhorn, so wie jetzt sind sie ja wohl nicht zur Welt gekommen oder?"
"Nein. Ich bin heute morgen früh so aufgewacht"
"Aha, Gregor Samsa Syndrom." sagte ich, nur um überhaupt was zu sagen.
"War das nicht der mit der Vererbungslehre? Meinen Sie, ich habe ein Zeitbombengen?"
"Nein nein, da verwechseln Sie was. Hmmm, nun....."
 Sein Kopf befand sich an einem der Füsse, da wo der Kopf hätte sein sollen war ein Arm, in dessen Hand sich noch die Augen befanden, die mich traurig anzwinkerten. Der Körper war in der Mitte herumgedreht, der andere Fuss war ein Wurzelstumpf und irgenwo aus der Mitte heraus wuchs ein Elefantenrüssel, der neugierig herumtastete.
"Sie sehen so aus, als hätte sie ein Kind auseinandergenommen und wieder zusammengesteckt".
"Aber ist denn so was nicht verboten" sagte er kleinlaut.
Der Rüssel fuhr sanft über seinen zerbeulten Kopf.
"Noch nicht, es gibt keine Gestetze für sowas. Ich nehme an.... Hmm nun ich nehme an, an ihnen wurde etwas ausprobiert."
"Aha, was denn. Steckt die Regierung dahinter?"
"Tja, schwer zu sagen. Aber es scheint, als hätte irgend jemand eine Art Illusionsintegrator erfunden."
"Eine was?"
"Eine Traumverwirklichungsmaschine."
"Eine ... Sie wollen mich wohl vergackeimern. Versetzen Sie sich mal in meine Lage."
"Irgendjemand zumindest hat das getan. Jaja, das klingt recht blöde, aber im Angesicht des Unglaublichen muss das Undenkbare gedacht werden, Herr Matterhorn. Jemand möchte da mit Menschen herumspielen"
"So was muss mir passieren. Und nun?"
"Sie könnten beim Zirkus anfangen. Nein im Ernst, ich passe schon auf sie auf. Offensichtlich war es ein kindlicher Traum.", kam ich auf das Thema wieder zurück.
"Ein Was?"
"Es war ein Kind, das Sie so zusammengesteckt hat, ist doch klar, bei einem Erwachsenen würde das ganz anders aussehen. Ich werde der Sache auf den Grund gehen. Nun lassen Sie mal nicht den Kopf hängen, oh, Verzeihung."

Fussnote G. Heym:

Es gab noch einen beunruhigerenden Gedanken, den ich Herrn M. selbstverständlich nicht mitteilte. Was, wenn es ein ECHTES WUNDER war? Wunder kann man gesetzlich nicht regeln, man kann keinen einsperren und so weiter.
Nach dem ich ihn eingehend befragt hatte, liess ich ihn von der Firma in B. abholen.
Herr M. hat seinen Angaben nach die Nacht vor der auf der Fähre auf Schloss H., einem Hotel, verbracht, das Personal da sei ihm seltsam vorgekommen und so weiter. Dumm das, weil das Personal von Schlosshotels immer seltsam ist und es eher seltsam ist, wenn es nicht seltsam ist, aber ich sollte der Angelegenheit wirklich nachgehen, denn der Rest seines Berichtes war so farblos wie ein Blatt vom Telefonbuch gewesen. Oder sollte ich lernen, zwischen den Zahlen zu lesen?

28.6.10 13:09





Counter


Kurzgeschichten, Gedichte und mehr bei
e-Stories.de

Gratis bloggen bei
myblog.de