Froschtuempel
                Froschtuempel - "Trübe Brühe, schmeckt aber!"
Das Kroko und die Ventildrossel (2)

Die Nacht war sternenhell und es befand sich auf einem schwankenden Holzschiff. Auf und ab. Auf und ab. Weisse Stoffbahnen blähten sich an drei Mastbäumen. Und am höchsten Mast ganz oben flatterte eine Schädelflagge ! Tock, tock, tock. „Wen haben wir denn da?" Der Velourgrünling schaute in ein langes, knochiges Gesicht mit schmallippigem Mund, Hakennase und kühlen hellgrauen Augen, umrandet von ebenso grauem, silberigem Haar, auf dem ein Dreispitz saß. „Guck guck!" Eine Hand mit stählernem Griff umklammerte seine Schnauze und das Kroko verlor den Boden unter den Füßen. „ Ein willkommene Abwechslung für die Küche, har, har. Du kommst in den Topf, mein Kleiner!" Dann richtete der Mann sich auf (er war sehr groß und trug das bibberige Speiseplankroko über Deck. Mit seinem Holzbein (tock, tock) unterhielt er dabei die Männer unten  in ihren Kojen ganz ausgezeichnet. Die Sterne beguckten noch immer die Schiffsplanken und manchmal blinzelte eines. So sahen sie auch, wie der lange graue Mann mit dem Kroko unter dem Arm unter Deck verschwand. Aber Sterne sind eitel und sonnen sich nur in ihrem eigenen Licht. An der Tür griff der Holzbeinmann nach einer Petroleumfunzel. Dann ging es über wackelige hölzerne Stufen abwärts. Tock, tock.

Ein riesiger, krummer Schatten folgte ihnen. Kroko hielt sich die Vorderbeine vors Gesicht. Dann blieb der graue Hühne stehen und hämmerte gegen eine Tür. „Käpt'n! Neuigkeiten!" Hinter der Tür rumpelte es, Glas klirrte und ein paar saftige Flüche folgten. Knarr, das Brett öffnete sich einen Spalt breit und ein Pistolenlauf schob sich dazwischen hervor. „Mr. Graven, wenn`s nichts Ernstes ist, landen sie bei den Fischen, ich schwör's!" „Nee, Käpt’n! Ich hab was Lustiges gefunden." „Hah, sag’s doch gleich, alter Halunke! Hereinspaziert!" So schwang die Tür auf und gab den Blick auf einen Mann frei, der etwas kleiner war als Holzbeinmann. Wie dieser war er nicht besonders dick, sondern drahtig und wettergegerbt. Im Gesicht wucherte ihm ein wilder schwarzer Bart und seine Augen funkelten wie polierte Metallkugeln. So schwarz wie sein Bart war seine Kleidung, von der sich eine rote Schärpe albern abhob. Mit einer weit ausholenden Geste hieß er den Grauen eintreten und steckte die Pistole zwischen Wams und Schärpe. Wo seine rechte Hand hätte sein sollen, war ein Haken. Ein schmieriges Lächeln bemächtigte sich seiner. „Nun raus mit der Beute, har, har!"

Schwarzbart schob mit der Hakenhand ein paar leere Weinflaschen vom Tisch, die zu Boden polterten und im Halbdunkel zwischen güldenen Kelchen, Kisten mit Dublonen, Edelsteinen, Perlen und Elfenbeingötzen verschwanden. Mr. Graven packte das Kroko auf die Platte, die Schnauze weiterhin fest umklammert. „Naa? Zuviel versprochen? Fass mol dran" „Ich wird verrückt, ein Krokodil mit Fell!" „Sollen wir das essen?" Sofort guckte Holzbeinmann wieder in die Pistolenmündung. „Das könnt euch so passen" diesmal hatte die Stimme des Käptn's einen messerscharfen Schliff. „Ordinäres Gesindel! Ohne Bildung und Verstand! Ihr würdet ein Kiste Gold nicht erkennen, selbst wenn ihr mit dem Gesicht drin läget! Das ist jetzt meins! Jeder, der sich dem Ding auf fünf Schritt nähert, bekommt den Scheitel gelüftet, beim Barte meiner Großmutter ! Nun raus, du stinkender Holzknochen! Willst du meine Zeit stehlen?" Holzbeinmann ließ die Krokoschnauze zögernd los und wich zurück. Böse grinsend schloss er die Tür. Sobald der widerliche Trunkenbold wieder einmal besoffen röchelnd in seiner Kajüte lag, würde er keinen Piaster mehr auf seine schwarze Seele verwetten. Einen Dietrich hatte er schon lange. Da pfiff er sich eins und grüsste im Vorbeigehen den Steuermann. „Einen gesegneten Abend, Mr. Oars!" Mr. Oars nickte schweigend.

Doch zurück zur
Kaptänskajüte. Nun, wir wollen nicht verheimlichen, dass der Käpt’n neben jeder Menge Gold auch noch einen Papagei namens Master Mine besaß. Das war ein schneeweißer Kakadu, der seinen Schopf lustig auf und nieder stellen konnte und auch sprechen, zum Beispiel: „Galeone in Sicht! Fertig machen zum entern! Gehauen und gestochen! Spießgesellen! Spitzbube! Bandit! Teufel, Teufel! Mistviech, halt den Schnabel!" und so weiter. „Wo hab ich denn deinen Käfig verramscht, Kamerad?" „Dein neuer Genosse braucht glaub ich, ein wenig gesiebte Luft fürs erste! Zackige Zähne und gerissene Äuglein! Sicher ist sicher, sonst beißt du mir im Schlaf eins, zwei die Nase ab, nicht war?" Der stählerne Haken bohrte sich unter Krokos Kinn „Ich hab dich gleich durchschaut" Und dann lachte der Schwarzbart, dass die Schärpe wackelte. Und fiel vornüber aufs Gesicht. Ein mächtiges Wummern erschütterte das Schiff.

Beim vornüber Fallen griff Schwarzbart nach der Tischplatte und warf das Möbel mit Schwung in die Senkrechte, worauf das Kroko kopfüber in einem goldenen Krug landete, so das nur noch die Hinterfüße und das Schwänzchen zu sehen waren. Auch Mr. Graven an Deck, der noch immer brütete, woher das verdammte Krokodil so plötzlich aufgetaucht, gar vom Himmel gefallen (er war etwas schlauer als der Käpt’n) war, setzte sich auf seine vier Buchstaben. Den Dreispitz schob er sich vom Gesicht und runzelte erneut die Stirn. In den Mannschaftsräumen fielen die Schlaf-Piraten aus den Kojen, suchten nach ihren Entermessern und Laternen. In der Kombüse hopsten die Töpfe vom Haken. Holzbeinmann blickte über die leere, aufgepeitschte Wasseroberfläche.  Irgendetwas Unterseeisches wütete am Schiff und die Gallionsfigur war bereits aus ihrer Verankerung gerissen und verschwunden. Da, ein riesiger, grüner, schuppiger Leib! Da, eine Klaue! Wumm! Mr. Oars hielt das Ruder und betete. Endlich kam Bewegung an Deck. Aufgescheuchte Piratenmatrosen brachten ihre Gewehre in Stellung und schossen ins Wasser. Dann fuhr eine grüne Faust mit einem gewaltigen Hieb durch die Schiffswand, genau da, wo die Kaptänskajüte lag. Holzsplitter regneten. Und das Ungeheuer richtete sich auf übers Wasser. Einige der Matrosen plumpsten in die See. Die anderen erstarrten vor Entsetzen. Was sie da angriff war, eine riesenhafte Verkörperung ihrer schuppigen Schutzgöttin Margo, genau, wie sie als Gallionsfigur vom Bugspriet gehangen hatte. Halb Fisch, Halb Frau. Sie waren verflucht.

Im Zeitlupentempo zog sie die Faust wieder aus dem Schiffsrumpf. Etwas güldenes, in ihrer Hand fast winziges blinkte darin. Triumphierendes Gelächter erschallte. Bösartig und verlockend zu gleich. Die Männer an Deck hielten sich nun die Ohren zu und besonders Furchtsame warfen sich mit dem Gesicht zu Boden. Margo riss die Augen weit auf und schüttelte ihre meeresgrünen Haare. Seetang und –sterne flogen umher (Mr. Oars bekam einen ins Gesicht). Mit einer flinken Handbewegung knickte sie den Hauptmast der Brigg, als sei es ein Streicholz. Ein zufriedenes, meterlanges Lächeln spiegelte sich auf ihrem Antlitz. Dann versank sie im Meer. Die Brigg, nunmehr ein Wrack, dippte in ihrem Strudel. Aus dem Kapitänskajütenloch flog etwas Weißes und schrie:"Hurrra, Hurra, gehauen und gestochen! Auf die Beine ihr Halunken!". Dann war alles ruhig.

Derweilen unter Wasser:

Ich muss träumen, dachte der kleine Grünling, von seiner schweren Halskrause befreit. Scheu tasteten seine Scheinwerferaugen durchs Dunkel. Wie wunderschön sie ist. „Wer bist du?", fragte es. „Ich bin die Meeresgöttin Margo." „Mein Wille ist es, meine Kinder vor Unrecht zu beschützen." „Danke!" „Leider kann ich nicht überall sein" Jetzt sah sie traurig aus. „Was für schöne Augen du hast", sprach sie. „Wohin bringst du mich?" „Nach Haus…." Kroko strahlte vor Glück. „Nach Haus…" wiederholte es und dachte an das Drosseli.

Unvermittelt rümpfte es die Nase. Irgendetwas roch hier seehr eigenartig. Blubb, Blubb. Kroko trieb wieder im Sumpf. Blasige Blasen stiegen um es herum auf, Kleinblasen und Grossblasen. Aua, der Kopf brummte und puhh, wie das stank! Kroko kannte das von zu Hause: entweder man hatte Besuch im Teich oder die Luft wurde bald knapp. Auf jeden Fall hieß es Leine ziehen, denn was immer es war, es war ob der Blasenzahl mächtiger als der Grünling. Also wieder heraus aus dem Sumpf und an den Strand, mal sehen was Paketmann so trieb. Auf dem weg dahin grummelte und bebte der Fußboden so eigenartig und es war beinahe wie im Traum noch. Es dauerte eine Weile, bis Kroko den Paketmann fand. Der hatte sich inzwischen aus dem gelben Aufblasdingens und ein paar Stöcken am Strand eine Art Käfig mit Dach gebaut, unter dem er nun saß und mit einem Stein wie ein Besessener auf einer der Kugeln herumklopfte, von denen eine unserem Vierbeiner beinahe auf die Nuss beziehungsweise den Kopf gefallen war. Neben ihm lag noch ein ganzer Haufen solcher Kugeln, auch Kokosnüsse genannt…

Forsch watschelte Kroko darauf zu und biss in eine hinein. Krach. Dann die nächste. Knack. Und weiter. Die Dinger mussten unschädlich gemacht werden, bevor sie wieder auf die Bäume kletterten. „Na, da bist du ja wieder, hee dass sind meine… super, du kriegst sie auf!" war Paketmanns wirre Begrüßung. Dann sprach er erstmal eine Weile gar nichts, weil er mit seinem Steinchen und auch den Fingern die weißen Innereien der Kokosnüsse in sich hineinstopfte und schmatzte. „ Du bist ein prima Nussknacker", sagte er später. „Komm lass uns ein Nickerchen machen".

Das war eine vernünftige Idee, aber Kroko wollte es ein wenig kühler und buddelte sich vorne weiter eine Kuhle in den feuchten Sand, die sich mit Wasser füllte. Hier ließ es sich vorzüglich pennen. Schhhhhh, machte das Meer. So ratzten sie eine Weile lang, bis sie wieder ein Grummeln und Beben aus dem Schlafe riss. Das Kroko watschelte zum Paketmann und schaute ihn fragend an. „Hast Dus auch schon mitbekommen, was? Guck mal nach da oben." Es guckte und staunte. Es gab keinen Zweifel, da war ein ganz schön hoher Berg da oben.

Seine Spitze, hoch über allem Grün, die irgendwie abgebrochen wirkte, qualmte. Qualmen war nie gut. „Und soll ich dir noch was sagen, ich bin mal ein Stück da rauf geklettert. Hab mich umgeschaut. Wir sind hier auf einer Insel. Nett ne?" Klang aber nicht nett, wie Ronnie es sagte, eher wie ein Schimpfwort. „Wird schon wieder aufhören. Komm mit, ich bau dir ne Kleckerburg". „Schau hier, so ähnlich macht der Vulkan da oben auch." Flüssige Sandpampe lief aus Paketmanns dunkelbraunen Händen und er grinste breit. Lustige Kleckermuster bildeten sich, wenn der Sand an Wasser verlor und fester wurde. Bald war ein stattliches Hügelchen zusammengekleckert. Später am Tage saßen die beiden zusammen im Sand und schauten auf das Meer hinaus. Das Grummeln hatte wie bestellt aufgehört und die Vögel zwitscherten wieder. Langsam ging die Sonne unter, der Himmel färbte sich orange und das Meer rauschte friedlich. „Ah, wie wundervoll." Seufzte Paketmann. „Wenn du jetzt noch Feuer machen könntest!" Kroko rollte mit den Augen.
5.5.08 20:25


Das Kroko und die Ventildrossel (3)

 „Warte mal…" Paketmann kramte in seiner Westentasche. „dacht ich mirs doch! hah!" Mit diesen Worten zog er ein längliches lila Dingsda mit silbrigen Ende hervor. „Feuerzeug, immer dabei!" Zzzoschh, sprang ein kleines Flämmchen hervor und Kroko wich zurück. „Brauchst keine Angst haben, das Feuertier ist ein Freund, wenn du es bei kleiner Speise hältst. Mal sehen, ob das Zeug hier brennt." Und sobald Paketmann den Finger vom Feuerzeug nahm, verschwand auch das Feuertier wieder darin. Paketmann sprang auf und sammelte ein paar trockene Palmwedel zusammen. Die brannten dann auch lichterloh und verschickten beißende Glühwürmchen. Kroko ging vorsichtshalber noch ein Stück weg. Doch sehr lange brannten sie nicht. „Mist, da muss ich noch weiter inseleinwärts, richtiges Holz holen, aber heute nicht mehr. Gute Nacht, mein Bester !" Paketmann zog sich in seinen gelben Pavillion zurück. Ein wenig später wälzte sich Kroko in der warmen Asche. Dann ging es wieder auf Wanderschaft über die Insel. Dabei wurde es durch einen heiseren Vogelschrei erschreckt. Das war der Ruf des Kokoskäuzchens, dass auf Beutezug ausflog. Da versteckte sich das Kroko doch kurz im Unterholz. Dann kroch es über Steine, mächtige Wurzeln und schwamm durch kleine Teiche. Alles war dicht be- und überwachsen. Stachelige Igel kreuzten schnaufend seinen weg. Fledermäuse flatterten hoch oben vorbei. Im Morgengrauen kam es wieder zurück zum Lagerplatz und duselte ein.

Am nächsten Morgen bekam es als erstes eine Ladung Sand ins Gesicht. Neben ihm brodelte der Boden. Wupps, noch eine Ladung. Kamen da die Kokosnüsse her? Aus dem Sand? Aber dann kam ein kleiner Reptilienkopf mit lustigen schwarzen Äuglein zum Vorschein. Na, klar, dass Kroko da nicht gleich drauf gekommen war. Die hiesigen Krokodile schlüpften. Oder doch keine Krokos? Noch mehr Köpfchen kamen heraus und dann krochen die kleinen Racker ganz aus dem Sand. Die runden Panzer auf dem Rücken, das waren ganz klar Schildkröten. Die so fertig aus dem Sand gekrochenen watschelten ohne Verzögerung Richtung Meer, wobei sie oft das Gleichgewicht verloren und Purzelbäume machten. Und da waren sie plötzlich, grosse rote stieläugige Landkrabben. Hässlich wie die Nacht und verfressen. Lautlos im Seitwärtsgang schlichen sie sich zur leichten Beute. War denn keiner zur Bewachung da? Tsss tsss. So eine Schluderei gab es bei Krokodilen nicht. Weil wirklich keiner weiter da war, zeigte das Kroko den Krabben die Harke, und schnappte, so gut es eben ging. Das war gar nicht so einfach, denn allzu groß war das Kroko nicht und die Scheren konnten höllisch zwicken.

Die kleinen Schildkröten waren viel zu langsam. „Krabben, wunderbar, gerade richtig, ich habe ein neues Feuer gemacht." Paketmann bückte sich „Whoa, da brauchen wir Schnur. Du glaubst nicht, was so eine Rettungsinsel alles dabei hat". Ronnie sprintete kurz weg, kam aber gleich mit einer Leine zurück, mit der er den Krabben einzeln die Scheren am Panzer festband und die Krabben dann aneinander. So konnte das Kroko die Schildkrötlein ins Meer begleiten und Ronnie bekam eine weitere Mahlzeit. Im Wasser kamen die Panzerpaddler erstaunlich gut zurecht. Sie schwammen anders als das Kroko nicht mit ihrem Schwanz, sondern mit ihren Beinchen. Mann, hier im Flachwasser war aber überhaupt was los was los. Überall zischten kleine Fische umher. Und weiter meerauswärts, zwischen den scharfkantigen Korallen gab es auch grosse Fische. Und Tentakel- und Stacheltiere. Die Fische waren bekömmlicher als die bunten Frösche und auch Paketmann bekam welche ab. Wegen der Hitze am Tage schlief der Grünling meistens dann, wenn Paketmann wach war und ging nachts jagen, auch wenn das wegen der streitlustigen Tintenfische mit ihren tischtennisballgrossen Augen nicht ungefährlich war.

So lebten beide einträchtig eine ganze Weile. Bis Paketmann eines Abends freudestrahlend mit einer Holzkiste angelaufen kam, die schon reichlich vergammelt aussah. „Guck mal, was ich hier gefunden habe, grüner Freund!" Ächzend stellte er die Kiste in den Sand, drinnen klirrte es. Paketmann lupfte den Deckel, drinnen waren lauter bauchige Flaschen. „Bester Jamaika Rum! Ich habe eine Höhle in den Felsen gefunden und da stand das Zeug rum." „Weißt du, dass das Rum früher geschmuggelt wurde? Vielleicht gab es hier sogar Piraten mit Holzbeinen und Hakenhänden oder Augenklappen". Paketmann spielte Pirat, er humpelte durch den Sand und krähte „ Auf, Kameraden, entert die Prise! Tod und Teufel!". Kroko schüttelte den kopf. Wie peinlich Ronnie manchmal sein konnte. „Das muss gefeiert werden." Paketmann entstöpselte eine der Flaschen. „hoch die Tassen!"

In der nächsten Zeit war Paketmann oft nicht mehr ansprechbar. Entweder torkelte er am Strand entlang. Oder er hüpfte mit der Flasche um das Feuer und rief: „Die Hühner tun es! Die Hühner tun es! Die Hühner, jaaaha.." und so weiter und dann kicherte er immer so eigenartig. Waren da etwa bunte Kröten drin in den Flaschen? Kroko vermutete es. Bald hatte Ronnie keine Augen mehr für das Kroko, nur noch für seinen Rum und Kroko verzog sich wieder ab in den Sumpf. Fische brachte es auch keine mehr. Sollte der doch sehen wo er blieb, am besten bei seinen Hühnern. Aber wie man sich das natürlich vorstellen kann, war der Schnaps irgendwann alle und das war auch keine gute Zeit für Paketmann.

Und als das Kroko eines Tages mal wieder von einer Erbebung geängstigt zum Lagerplatz floh, fand es dort nur noch Reste und niemand war mehr da. Da wurde es traurig und kam sich verlassen vor. Doch nach einer Weile betretenen Umherwanderns fand es einen Pfad und es erinnerte sich an die Höhle, die Ronnie erwähnt hatte. Nun war der Weg nicht schwer zu finden. Und so fand es den Menschen abgemagert und krank und zitternd darumliegend. Mit einer Mischung aus Reue und Genugtuung machte es sich an die Arbeit und brachte Paketmann mit Futterkokosnüssen soweit wieder auf die Beine, dass er sich selber weiterhelfen konnte.

Dann wurde alles wieder gut und eines schönen Tages, an dem Kroko schon einen Reiher gescheucht hatte, nachdem es sich lautlos angeschlichen und dann geknurrt hatte und Paketmann es mal wieder veralbert hatte , indem er behauptet hatte, „Da kommt die letzte Welle!" und beide gerade in der Mittagshitze dösten (das Kroko mit aufgerissenem Maul), kam tatsächlich ein Schiff an. Paketmann guckte erst blöd, als käme er sich vergackeimert vor „Ich glaub, mein Hamster bohnert!", dann aber war er wie ein geölter Blitz unterwegs, so schnell, dass das Kroko blinzeln musste, und rief und winkte und lachte. Gemächlich watschelte das grüne Viergebein hinterdrein. Erstmal „sehen, was die Flut da angespült" hatte. Diesen Satz hatte es von Paketmann in letzter Zeit oft gehört. Auf dem Schiff waren Männer, die an Land kamen und sich als Ranger ausgaben. Sie fragten Ronnie, was er hier zu suchen hatte und behaupteten, es wäre gefährlich, fremde Tierarten hier auf dem Somoruarchipel einzuführen. Nun, Paketmann erzählte seine Geschichte.

Über die Rückreise soll nichts weiter berichtet werden. „Machs gut, Kumpel. Pass auf dich auf." sagte Paketmann zum Abschied. Dem Grünling entrollten ein paar Krokodilstränen. Kroko kam anhand der Frachteinträge wieder in seinen Zoo zurück und da war der August doch ganz froh, denn das Kroko war, ohne das er es erkannt hatte, zu einem Publikumsliebling geworden und viele hatten schon danach gefragt. Jedoch kam es in einen Einzelkäfig mit Aufschrift „Streicheln auf eigene Gefahr", was noch mehr Besucher veranlasste, es zu besuchen, wenn auch weniger, um es zu streicheln. Und seine Lichtshows wurden der Hit.

Doch Nachts war es sehr einsam und es dachte oft an das Drosseli und auch an Paketmann und konnte nicht schlafen. Das Drosseli hatte inzwischen einen Schnapsdrosselrich geheiratet. Dieser betrog sie aber häufig mit einer Blaumeise. Nun fiel einige Male Herbstlaub und die Nachtigallen sangen, bevor der Staat, in dem sich der Zoo und der Sumpf befand, strengere Artenschutzgesetze heraus gab und der Zooleiteraugust musste sich von vielen seiner Insassen trennen, auch von dem Drosseli und dem Kroko, die zu ihrem Sumpf zurückkamen. Das war eine Freude beim Wiedersehen am Sumpfesrand!

Das Kroko machte wieder Handstände und Purzelbäume und Drosseli surrte durch die Gegend wie verrückt, dass die Schallmauern nur so purzelten. Dann verschwanden die beiden im Nebel, mit Licht und heftigem Geklapper natürlich. Und der Kobold Nickel, der doch gar nicht so böse war, sondern nur eine unpassende Frau geheiratet hatte, die auch nicht böse war, sondern… nun ja der wurde zum Ranger für den Sumpf erklärt und das Umliegende und passte nun auf, dass keine Strolche mehr kamen und Tiere entnahmen. Das Kroko und das die Ventildrossel lebten nun wieder friedlich im nebeligen Sumpf und wussten, was ein Zuhause wert sein kann, weil es mehr ist als nur eine schöne oder nicht schöne Gegend, sondern vertraut. Doch ab und zu gingen sie mit den Trommelhasen auf Tournee und konnten sich für die Drossel einen Radarhelm leisten, damit sie nicht mehr im Nebel gegen die Bäume flog.

24.5.08 12:09





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