Froschtuempel
                Froschtuempel - "Trübe Brühe, schmeckt aber!"
Tellerwäsche

Genervt schleppt Ewald den schweren Koffer Treppe um Treppe. 

Es rasselt, Ewald schwitzt. Die Promenadenmischung von Opa Gernot japst aufgeregt, schnüffelt gierig am ominösen Behältnis und beginnt, sich daran zu reiben. "Weg da!" raunzt Ewald und "Tach Opa Gernot!" Er versucht auch, gleichzeitig zu treten, zu grüssen, und den Koffer festzuhalten. Das geht schief. "Hergottnochmal!" Der Koffer rumst, der Hund jault auf. Der Opa geht dann lieber gassi. Nur noch paar Stufen. Hau Ruck.

Er läutet, die Mutter macht auf, "Ach, Klein-Ewald, gerade richtig zum Essen!".
Der Nämliche stellt den Koffer schnaufend ab, öffnet ihn und beginnt, die Teller und Tassen und Schüsseln in den Geschirrspüler zu räumen. Einen eigenen kann er sich auf seiner Studentenbude nicht leisten. "Aber Ewald, wie lange hast du die wieder angehabt! Komm doch öfter mal vorbei, mein Lieber", die Mutter rümpft die Nase. Ihre stets frischgewaschenen Teller und Tassen klappern dabei missbilligend.

Dann giesst sie den Eintopf in Gummistiefel, für jeden genau viel, und trägt diese zum Esstisch. Da hört man dann auch den Vater aufgeregt klimpern "Jaaa, lecker!", und wie er die Folienrolle mit den Tagesnews in die Ecke pfeffert, um zum Teeei zu greifen. Das erschreckt den Goldfisch im Käfig, er hustet und dann muss sich Ewald auch schon ducken, der sich auf den besitzbaren Geschirrschrank seiner Mutter gesetzt hat. Denn Vater hat den Bildwerfer angeschaltet, also der wirft Bilder an die Wand. Ganz schön hart, wenn die einen treffen.
"Und, wie gehts mit dem Studium, Sohnemann?" "Ach, Sargnagelkunde ist so ein ödes Fach", mümmelt Ewald. Mehr will er nicht drüber reden.

4.2.08 15:56


Die Drusen, ein völkerkundlicher Bericht

Die Drusen sind dem Fachmann bekannt. Es sind kleine harte Burschen mit einer Menge Kristalle im Bauch, was sie für den Menschen interessant macht und weswegen er sie gerne aufschlitzt, um die Innereien makaber in Schaufenstern und Vitrinen zu drapieren. Das Äussere hingegen ist unscheinbar ockern bis dünklich, wie beim Menschen auch die Hautfarben variieren.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die Wuchshöhe. Hier kennt man die Zwergendrusen, die Normdrusen und die Minorität der Riesendrusen. Diese sind so gewaltig, dass einige Exemplare (sogenannte Jonasdrusen) gar von innen begehbar sein sollen.  Ein drittes Merkmal sind die Innereien: Kalk, Braunspat, Quarz, Amethyst oder Zeolith. Die besonderen Amethystdrusen sind Schalenbewohner, gehüllt in nichts weniger als edlem Achat.

Will man die Drusen aufspüren, muss fachmännisches Wissen dem Hirnträger bleuig sein. Denn die Druse lebt unter Tage und nicht jeder, der einfach mit einem Spaten etwa blindlings ins Feld sticht, ist dem Feldspat mirnichtsunddirauchnichts fündig. Nein, Dir auchnichts habe ich gesagt. Ah, ja.  Denn den Gängen des Erzes muss man kundig sein, wo sich die Drusen drängen und deren Nahrung das Erz ist. Und hier rät es sich, einen graubärtigen Gangführer zu bemühen, der mit Erfahrung die Erzrute zu zucken weis oder etwa ein abgerichtetes Drusenpferd, welches den Boden beschnüffelt, als treuen Begleiter zu küren.

Der junge Drusenjünger wandele, so unbesattelt, zuerst ein mal nach Drusethal, das einstige Mekka der Drusen. Dort kamen sie, in religiöser Verzückung, zu tausenden leichtsinnig an die Erdoberfläche (der Fachmann nennt das Hervorbrechen) und fielen dem energischen Steineklopfer leicht in die Hand. Viel zu spät geriet dieses Gebiet nun in Naturschutz, bevor der illegalen Drusenmafia das Handwerk gelegt werden konnte, wurden zu viele Exemplare für schnöden Mammon dem Boden entrissen, so dass die Drusen scheu wurden und das Gebiet bald mieden. Heute informieren eine Gedächtnisstätte und ein internationales Bildungszentrum über die damaligen Greueltaten und allgemeine Drusenkunde.

Der Drusenjünger übe sich also in Geduld und Nachsicht. Entnimmt er dem natürlichen Lebensraum der Drusen zu viele solche, ist zum Beispiel ihre Vermehrung stark gefährdet, wie man dem folgenden Abschnitt entnehmen kann.

Die Fortbewegung der Drusen im Erdreich so wie im Felsgestein ist mühselig. Jeder Zentimeter dauert Jahre, das einfache Vor-die-Tür-gehen-und-Rauchen Jahrhunderte. Dabei hat die gemeine Druse selbst keine sichtbaren Fortbewegungsorgane, sondern segelt geschickt im tektonischen Aufwind. Deshalb ist auch die Populationentwicklung eine Sache von Zeitaltern. Doch der Drusenjäger muss noch keine tausend Jahre auf den nächsten Fang warten, denn glücklicherweise gab es dereinst eine feurige Zeit, als der Unterweltgott Pluto unseren Wandelstern enthusiastisch walkte und planschte und Fontänen schmiss und in die Badelava flatulierte. Aus diesen Blubberblasen, so erzählen sich die Drusen gerne bei Hundert-Jahres-Teegesellschaften, sind die ersten Drusen entstanden, um sich ihrer göttlichen Herkunft zu versichern. Aber naturlement ist das Kokolorus. Die Drusen pflanzen sich wie alle Lebewesen fort.

Sie sind streng monogam. Bei der Befruchtung wird ein kleiner Impfkristall in den Leib der Druse vom männlichen Exemplar in Sinnenfreude eingeschleust. Der wächst da im Kristallwasser der Mutter. Lange (genaue Zeitangaben leider nicht erhältlich.) Irgendwann ist das Kind der Mutter gleich gross und es entsteht der Keimdrusen-Komplex, der sich teilt. Damit endet die Fortpflanzung und neues Liebesspiel kann beginnen.

Nicht alles ist nun falsch an den Sagen der Drusen. In den prähistorischen Zeiten der Heissweicherde war das Leben der Drusen viel zackiger, ja ein Fest. Sie konnten sich flugs  herumflutschen und ihr Lebensrythmus war fast menschenähnlich. Aus dieser Zeit stammt noch fast sämtlich die heutige Gesamtpopulation, denn Drusen sind, so sie nicht zersägt werden, unsterblich. Das ist ein Geheimnis, welches es ihnen zu entreissen gilt, kommende Forschergenerationen werden dies unmissverständlich zeigen. Vielleicht findet auch der Mensch ein zufrieden Leben im Gestein: Die neue Langsamkeit ?

Deswegen noch ein letzter Appell: Schneiden sie keine gefundene Druse auf. Vergraben sie sie nach Klassifizierung und Beringung wieder in freier Wildbahn.

13.2.08 21:17





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