Froschtuempel
                Froschtuempel - "Trübe Brühe, schmeckt aber!"
Eine Geschichte über Geschichten

Es war einmal eine Geschichte die lebte ganz allein . Da begann sie sich selbst Geschichten zu erzählen und die waren ihre Kinder und ihre Heimstatt und sie schützten sie, weil sie an sie glaubte. Doch eines Tages bemerkte die Geschichte, dass ihre Kinder sich alle sehr ähnlich waren und ihre Heimstatt war ein hoher, enger Turm, aus dem ein Entkommen unmöglich schien. Und auch den Kindern dürstete nach einem Entkommen und Gesellschaft. Da erschien ihr in bitterster Not eine Geisterfee, die ihr folgendenZauberspruch gab:„Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern."

Kaum gesprochen, erschien eine Strickleiter am engen Fensterchen des hohen Turmes und die Geschichte und ihre Kinder konnten hinabsteigen. Nun dauerte esnicht lange, bis sie an einen Ort kamen, wo andere Geschichten sich trafen um sich gegenseitig Geschichten zu erzählen. Das war der bislang einsamen Geschichte neu und sie schickte ihre Kinder zu den anderen zum spielen. Nun geschah es aber ,
dass die Geschichtenkinder ob ihrer Isolation sehr schwächlich waren und dünn. Da geschah es, dass die anderen Geschichtenkinder kamen und sie veränderten, so dass sie farbenfroher und robuster wurden und auch die Kinder zusammen neue Kinder erfanden. Auch die Eltern mischten sich ein und demontierten einige der schwächlichsten Geschichten in Teile. Da wurde die bislang einsame Geschichte traurig, da sie nur dies angeblich Schlechte sah und nicht die Vorteile und begann ihre Kinder zu beschützen, indem sie Gitter darum baute die hiessen „Meine Kinder
sind eben anders, sie können nicht mit den anderen spielen und dürfen nicht demontiert werden."
Das begann die anderen Geschichten aufzuregen, denn nun mussten sie immer um die Käfige herumlaufen und das war beschwerlich und da rissen sie die Käfige ab und bauten daraus eine Geschichte, die nur die einsame Geschichte wieder ganz allein einschloss, während ihre Kinder draussen blieben. Da die Gefängnisgeschichte sehr überzeugend war, glaubten sie alle einschliesslich der Eingeschlossenen. Und nun verstand erst die eingesperrte Geschichte den Zauberspruch und sie sah, dass Geschichten sogar macht über ihre Erfinder haben und sie zerstören können. Desweiteren leuchtete ihr ein, dass es möglicherweise
auch eine Geschichte war, die über sie alle erzählt wurde und in der sie alle lebten.. Und war es dann nicht möglich dass, auch diese grosse Geschichte irgendwann einmal demontiert wurde und all die Abgrenzungen hatten keinen Sinn? Nun war es nicht ausgeblieben, dass einige mitleidige Geschichteneltern sie in ihrem Gefängnis besuchten (sie wurden von den anderen auch als Verräter beschimpft), um mit ihr zu diskutieren und denen erzählte sie eines Tages von ihrer Erkenntnis.
Das kam nach draussen und da wurde das Gefängnis abgebaut und Zäune wurden allgemein verboten. Und sie erkannten auch ihre Gram über die demontierten Kinder und führten sie zum Ort der Zerbaunis.
Da sah sie, dass die Einzelteile nicht tot waren, sondern ein eigenes, kleines Leben weiterführten. Und von Zeit zu Zeit kam auch Eltern oder Kinder vorbei und borgten sich was für etwas Grösseres. Es war ein Ort des Lebens, nicht des Todes. Und danach begann die einsame Geschichte erst, die anderen Geschichten zu lesen und mit ihnen neue Geschichtenkinder zu erfinden. Doch auch Geschichten sind
vergesslich, denn sie sind dem Diktat der umgeblätterten Seite unterworfen. Und wenn keiner zurückblättert, wird wohl dieselbe Geschichte, von der die einsame Geschichte nur vermutet hatte, dass es sie gibt, noch einmal erzählt werden. 
1.8.07 11:02


Fiktive Buchbesprechung

Hier und heute soll es um den Schweizer Klassiker "Anauwä" gehen. 

Das Buch ist nur antiquarisch zu erstehen und sehr selten. Noch auf Pergament mit Holzbuchstaben aus Buchenholz gedruckt, ist es das einzige, beim schweizerischen Piiis-Verlag je erschienene Buch (typisch). Ich erstand es im Antiquariat des verträumten Örtchens Aschgunen, die Inhaberin, so verwelkt wie ihre Bücher gab es mir mit ihren zittrigen Händen und sprach: "Hast du noch nichts gelesen in deinem kurzen Leben mein Sohn, so lies dies." Und verstarb. Eilig verliess ich das staubige, ja düstere Gemach. Stopfte das Bändchen in meinen Leinensack, achtlos und rannte durch die Wälder, dass die trockenen Äste krachten und das Laub stob, so hatte mich das Dahinscheiden der Vettel erschrocken. Erst später und wohlig sitzend in der Taverne von Altenryf tastete ich den Einband wieder und erinnerte mich an die Worte. So forschte ich in den Seiten, die mir unter den Fingern fast zerbröselten, nach tieferem Sinn.
Es erzählt von der unglücklichen Liebe des armen Bergführers Loisl zu Anauwä, der Tochter eines wohlhabenden und jähzornigen Sägemüllers namens Ludewig Grimselln. Als der seine Tochter mit einem nicht minder betuchten Schreinermeister zwangsverheiraten will, schreiten die beiden zur Tat. Sie zersägen den Ludewig in der Mühle in lauter kleine Stücke. Loisl nimmt die Stücke und wirft sie in einer einsamen Bergschlucht den Bartgeiern zum Frasse. All das geschieht in stockfinsterer Nacht und Loisl kommt von seiner schändlichen und gefährlichen Wanderung nicht mehr zurück...

6.8.07 10:01


Der Schellfisch

Ein Schellfisch blieb verschollen,
wollt weg von seiner Ollen.
Er sah die Wellen rollen, an südlichen Atollen
Und sie die Wogen schwellen, in den Dardanellen.
Da konnt sie jetzt den Schollen ihren Mist erzählen.

Derweil an karamellensüssen Sprudelquellen,
mit lieblichen Sardellen
und einem Tintenfisch als hellen Tischgesellen,
liess er sich gefallen, das Leben so in allem.
Na, auf jeden Fall, sucht' sie ihn überall.
Er trank auf seine Olle, dass sie der Kescher hole.

Doch dann im hohen Norden ein Stör betört im Fjord
freut' sich ganz unerhört, ein Schellfischweibchensingle
ist seine Frau im Schnellen, gerade noch im Hellen,
dann ohne Flax geworden.
Und wenn sie nicht erfroren sind, leben sie noch dorten.
7.8.07 12:29


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