Froschtuempel
                Froschtuempel - "Trübe Brühe, schmeckt aber!"
Mit Rudolf Diesel in Kuwait

Bekannt ist ja, dass Tiere wie Nilpferde, Wasserbüffel ja und auch Wildschweine gerne in Schlammpfützen sich wälzen um ihre Haut zu pflegen.

Weithin berühmt sind auch die Salbungen und Ölungen schon seit den Ägyptern und als solches eine Wohlthat für die Seele und den Leib. Gern nahm man für solche Einreibungen das Balsamöl der Balsamtanne. Mit der Industrialisierung der Salbungsbranche im 19ten Jahrhundert starb dieser Baum aber aus. So wurde allenthalben nach synthetischem oder sonst Ersatz gesucht. So entdeckte in dieser Zeit ein gewisser Rudolf Diesel, der gern in seiner Freizeit Seifenkisten zum explodieren brachte, auf das sie sich bewegen täten (und auch taten), dass sich das schwarze Öl der Araber nicht nur zum Anzünden sondern auch hervorragend zur Hautpflege eignete, zumal von der Natur nicht nur mit hervorragenden Schmier- sondern auch Schmirgelstoffen und Weichmachern versehen.

Seitdem verkauft die Salbungsindustrie die Diesel-Pflegeserie erfolgreich in vielen kleinen Frenchiseunternehmen, wo sich der Erholungssuchende mit kleinen Duschen, die sowohl hoch-als auch tiefsiedende (für den jeweiligen Hauttyp fettig oder trocken, für Mischhaut gibt es Gemisch "1:33" Reinigungslotionen enthalten, gleich vor Ort vergnügen oder den Wonnesaft in kleinen Blecheimern nach Hause tragen kann.

Nichts desto trotz lassen es sich einige forsche (bzw. primitive) Bevölkerungsstämme nich nehmen, in der Ferienzeit auch im Urstromland der Ölquellen in den naturbelassen selbigen zu baden, mit nichts bekleidet ausser stählernen Badehauben. Ein sehr archaisches Vergnügen, wenn nicht sogar bizarr aber wohl auch sehr befriedigend.
24.7.07 10:00


Gehirnfernsehen - Life on Drugs

 1. 

Ich sitze in einem abgedunkelten Raum mit Bildschirmen und warte auf den Doktor. Mein Kopf ist verdrahtet und schwer, ich  betrachte mein Gehirn im Schnitt. Dreht man am Knopf, fährt die Kamera glatt durch die Windungen, bis zwei weisse Augenbälle erscheinen. Das sieht gruselig aus, wie ein Marsianer. Dieses graue, vergnubbelte Ding mit den 2 Geleebällen ist mein Ich, nein oder war ich vor 10 Minuten, war ich das wirklich? Hätte man mir ein anderes Ich reingeschmuggelt, zack-reingebeamt würde ich das merken? Neenicht. Menschen sind oft nicht dass, wofür man sie hält, denke ich und frage mich, ob das auch für mich gilt... Velleicht haben irgendwo Leute ihren Spass mit Persönlichkeitszapping, bei launischen Typen wird einfach öfters gezappt.


Ich drücke gerade noch ein paar Knöpfe: Wasmachtdaswasmachtdaswasmachtdas? Irgendwie fühle ich mich nun anders. Wer bin ich, wo bin ich? Warum habe ich Hunger auf Regenwürmer ?
"Tut mir leid, an sich selber dürfen Sie nicht rum spielen..." Eine Hand legt sich schwer auf meine Schulter. Das Gesicht dazu kann ich nicht sehen, es liegt im Dunkeln, verdammt, was... "SOO, das Backup drauf gespielt..., alles klar?" Zzzippp. Muss wohl eingenickt sein. "Ach ja, klar, Herr Doktor, ich hab hier schon mal auf sie gewartet." "Kein Thema, also dass hier sind Sie."....

2. 

Seit ich von meinem Arzt so Glückspillen bekommen habe , berührt mich der Libanonkrieg im Fernsehkasten gar nicht mehr so. Erst sehe ich einen Fahrradfahrer, den eine Katjuscha vom selbigen geholt hat, nur die Füsse sind noch übrig. „Sauberer Schuss“, denke ich. Dann ein Schiff mit Flüchtlingen, dass nach Zypern fährt „da wollte ich auch schon immer mal hin, toll.“
Ich nicke kurz ein. Bob Geldorf weckt mich und sagt mir, dass im Sudan auch diese Nacht wieder tausende Kinder auf der Flucht sind und wünscht mir einen geruhsamen Schlaf.
So ein netter Mensch. Ich lächle still in mich hinein. Die Nacht ist dann wirklich ausgezeichnet.

“And I find it kind of funny
I find it kind of sad
The dreams in which I'm dying are the best I`ve ever had”

Ich wache auf. erst ein wenig Müsli, dann die gute Tablette. "Reis and Schein!", wie der Engländer sagt. Mir wird kurz schlecht, dann kalt und heiss und dann geht es wieder. Dann pumpe ich das Fahrrad auf und radle los. Mir wird gar nicht bewusst, wie sich die Landschaft verändert. Lauter ocker Steine, auch Dreck und noch mehr Steine um mich rum. Verdammt heiss auch, Steinofen! Endlich ein paar Gebäude, seltsam, keiner da. Doch, Ziegen. „mäh!“ grüsse ich. Die schlackern mit den Ohren und kauen echt unbeeindruckt. Ein schrilles Pfeiffen schreckt mich auf, dann fliegt etwas grosses dunkles auf mich zu und es wird Nacht.

„Die Apfel- und die Birnbäume erblühten,
Nebelschwaden lagen über dem Fluss,
da ging Katjuscha hinaus aufs Ufer,
auf das hohe, steile Ufer.“

Noch ein Erwachen. Vor mir liegt ein Sack, der mir erzählt er käme von Care und enthielte Weizenmehl. Sauber. Mehlbomben auf Zivilisten.
Das Säcke reden können, ist mir seit längerem bekannt, sollte aber allgemein verboten werden.
Ich sehe einen Mann mit blauen Helm auf mich zulaufen. „Tut mir leid, ist mir aus der Hand gerutscht“ „ Ein Mehlsack?“ „Scheisse, nein, Mörtel!“, lacht er. Alles verändert sich wieder.
Ich liege neben einem Baugerüst in der Witzleben-strasse. Naja.

3.

Ich bin krank. Ich habe eine Missverständnislücke. Aber was fase ich da. Ich denke, jeder macht was aus dem andern. Der Ton rutscht langsam herunter, er ist zu dünn, zwei Finger breit. Die Welt als Hörbuch. Alles klimpert so schnell vorbei wie ein Postkartenständer aber viel zu schnell und ich soll mir was raussuchen. Aber ich will nicht wirklich die Hand da rein stecken.
Das tut bestimmt weh. Ach ich habs, ich nehm den Fuss! Wah, was für ein Schlamassel. Jetzt regnet es Ansichten.

Ich nehm nun keine Pillen mehr vom Arzt, die machen mich duhn. Die stapeln sich jetzt im Schrank immer höher, ja sie quellen schon heraus und liegen im Zimmer wie Sand. Manchmal bin ich Dagobert und tauche hinein. Schaumkronen chemischer Freude rasseln über den Balkon. 
 

Von den Siechellen habe ich einen Eimer gestellt, einen rot emaillierten. Zum Sonne einfangen, für die Brille und für die Frösche aus dem Schwimmpool, das Blau kommt vom Curacao, wie man weiss. Goldbrassen setzen auch Segel. Sie schauen sich die Kacheln von unten an und ich fang Fang locker vom 5 Meterkickboard aus, rolling. Easy!

Und dann dreht sich das alles um 360°? Ach Sonnenwende. Leise geht der Mond zu Grunde. Das kommt vom Gold! Morgens nicht in den Mund nehmen!
Was dann?

4.

Szenerie eins:
wieder sitze ich in einem käfig, der ist in einem grossen, leeren saal, geräusche und bunter nebel fliehen von irgendwo.

dann setzt sich eine brünette frau vor mich und erschüttert mich mit ihrem nikotin-nihilismus.
gar nichts sei als man selbst, und das könne man alles ändern. es gäbe das feste ERST nach der beule. sie gibt mir ihre zigarette für das schloss.

es gäbe auch keinen nutzen, keinen sinn, nur emotionen. tu was du willst. weg mit mir, mit dir,
keine bilder mehr jetzt.

sei ein wildes tier.

Szenerie 2: eine weisse ebene. ich bin wieder allein. ich sehne mich nach meinem käfig, während sich unter mir schon alles in falten zieht.
das ist die ziehharmonika des lebens. (mal ist es lang, mal ist es kurz).
eine laute melodie.
auf einer wuchtigen bassnote fliege ich davon.

Szenerie drei:
hoppla. was ist denn das?
 

5.

Den Hunger auf Regenwürmer verspüre ich immer noch ab und an.

25.7.07 09:22


Herr Blattschuss folgt seinen Trieben

Der Herr Blattschuss wacht morgens auf und ist schon mürrisch drauf. Das ist sonst nicht so, aber heute. Er weiß heute ist der Tag, an dem er seinen eingetretenen literarischen Pfad verlassen muss. Sein Doktor hat ihm das ans Herz gelegt, denn dem Herrn Blattschuss steht eine Verblödung ins haus.
Herr B. ist süchtig nach Arztromanen. Die verschlingt er zum Frühstück, Mittagessen und Abendbrot. " Der Körper liest mit, Herr B." hat der Arzt gesagt. "Sie müssen ihren literarischen Pfad verlassen und auch mal was Gesundes lesen. Gedichtbände zum Beispiel, ja und Erstausgaben erfolgloser Schriftsteller. Die ersten werden die letzten sein, kleiner Scherz, haha, auch Antiquarisches, das ist sehr gehaltvoll, jaja. Schriftsteller war damals noch eine Berufung und kein Beruf, hören sie, Herr B.! Die armen Teufel sind dutzendweise für ihre Ideale in die Kiste gesprungen. Solche ballasthaltige Kost brauchen sie. Nicht den aalglatten Konfekt von Schwester Brunhilde und ihrem ähh, Doktor."

So denkt Herr B. an die letzte Sitzung und merkt nicht mal, dass er beim Ankleiden die Mütze falsch herum aufsetzt. Draussen regnet es, bald wird es auch schneien.
Sorgenvolle Gedanken schieben sich, dicken Raupen gleich, durch seine Morgenwelt. 

Die muss er loswerden, also dackelt er noch mal in die Praxis, mit verdrehter Mütze und verdrehten Gefühlen. 
"Neues ist gefährlich" händeringt Herr B. "Ich habe von spontanen Geisteszuständen gehört. Manche Leute sollen danach herumgelaufen sein und von Niveau geredet haben. Genie und Wahnsinn sollen dicht beieinander liegen, ja auf offener Straße miteinander schmusen, Herr Dokter. Einer soll gesagt haben, verkehrt herum gelesen mache das Buch erst Sinn! Er las ein Telefonbuch Herr Dokter. So was macht mir Angst. Soll ich nicht lieber auf Liebesromane umsteigen? Die regen bestimmt an, ja?" "Nein, Herr B., das sind Gerüchte, nur so leer gedroschenes Stroh. Leben sie die Vielfalt.
Auf einen Hesse können sie schon mal ein lustiges Taschenbuch folgen lassen."

„Da fällt mir aber ein Stein aus der Niere, Herr Dokter, Sie machen mir richtiggehend  Lust auf die Avantgarde.“
Gesagt getan. Herr B. schlägt sich wohlfeil ins wilde Gebüsch, dass die Federfuchser da so struppig wuchernd in die platte Landschaft kippen. Nachdem er die ausgetretenen Straßen des Mainstreams hindurchgehüpft ist und nur verächtlich gelacht hat über all die müden Socken, die Dünnbrettbohrer, die immer nur den Weg des geringsten Widerstandes gehen und nicht weitergehen wollen, stehenbleiben bei eilig zusammengenagelten Mythenfetzen und staunend den immer wieder selben Sensationen nachgeifern, weil sie das Langzeitgedächtnis schon lange für ein Mitspracherecht unter ihresgleichen eingetauscht haben. Was für ein plumper, rückratloser Bückling er gewesen war. Er hat die schönen einsamen Früchte nicht gesehen, die abseits des Weges unter schweren Dornen reifen! Doch jetzt kämpft er sich vorwärts. Schon bald hat ihn kein Mensch mehr gesehen. Er schmaust Festmähler jenseits aller Vorstellung. Er hat sich ein Haus errichtet mit einem Fundament aus Folianten noch aus dem Zechstein und Dachschindeln aus Anthologien. Eine Tür ganz aus Grimoires mit Bannsprüchen gegen Heyne, Bastei und Co. Er hält sich sogar eine kleine bissige Streitschrift in einem Zwinger aus Lehrbüchern.
Doch ach es sollte ihm nicht gut ergehen. Schon bald fängt Herr B. an, zu interpretieren, mit sich selbst zu hadern, zu reflektieren und zu sinnieren und zu philosophieren und der ganze Zirkus. Nach einem russischen Revolutionswälzer ist Herrn B. 4 Wochen schlecht. Michel Quints "Schreckliche Gärten" bringen ihn schließlich auf die Intensivstation.
"Abwechslung, Mann! Um Gottes willen!", stirnrunzelt der Arzt. Herr B. blickt ihn gequält an. Er kann nicht mehr anders, nie mehr will er zurück gehen in diese schalen Niederungen des immer wieder kehrenden Dummseins. "Wer einmal aus dem Blechnapf fraß, haarrrgh!", ächzt er und schießt sich mit einem Traktat über ökologische Psychologie ins Nirwana. Später dann hat man ihn ganz locker auf Telefonbücher umstellen können.
26.7.07 08:34


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