Froschtuempel
                Froschtuempel - "Trübe Brühe, schmeckt aber!"
Die törichte Amsel (Versform)


Eine Amsel kam im Mai
und saß auf meinem Fensterbrett
ein Stöckchen hatte sie dabei
als Grundlage fürs Eierbett.

Die Adern schwollen mir am Hals
ich musste lauthals sie belehren
solch Torheit dürfe keinesfalls
ihr ein zweites Mal passieren.

"Sinnlos ist es, was du bauest
und unverantwortlich dazu
dem instabilen Klima trauest
du ein ruh'ges Jahr noch zu?

Willst du in diese schlimme Welt
noch unschuldige Küken zeugen?
wenn es an Bildungsplätzen fehlt,
von Arbeitsplätzen ganz zu schweigen?

Insektenfraß in Schnabelarbeit
rentiert schon lange sich nicht mehr
Fünf Jahre oder läng're Zeit
hockt der Nachwuchs dann bei dir!

Singvogelcent und andre Steuern
sind heuer in der Diskussion
und die Wintersaat, die eure
essen arme Kinder schon.

Du brauchst nicht zu mir zu kommen,
wenn es längst schon ist zu spät!"
Erschrocken hat sie das vernommen
und sich auf dem Sims gedreht.

Die Amsel ließ das Zweiglein fallen,
ich sah sie von Dannen eilen,
um den andern Vögeln schallend,
die schlechte Botschaft mitzuteilen.
4.12.15 15:41


Drachenschmausballade


Es ist ein Tag vor vielen Lenzen als ein Drache mit fünf Schwänzen,
jedoch mit nur einem Kopfe es sich in just denselben setzt,
es täte seinem Stande gut wenn er eine Prinzessin frässe.
Und während er geringelt ruht vor seiner Höhl ein Herold krächzt
dass just im nahen Schlosse hier gibt es ein Turnier um Vier
und jedem Ritter ständ es gut, wenn er dort im Sattel säße.

Der Prinzessin fernes Bild spiegelt sich in mancher Rüstung,
als sie lichtumflossen steht auf des Schlossturms enger Brüstung.
"Ich sag euch, das Turnier beginnt, für Prinzessin Siegelind!
Ihre Hand wird dem gebühren, der weiß die stärkste Lanz zu führen."

Die Ratten in der Speisekammer der königlichen Küche jammern
"Das Königshaus, das ist bankrott, bei uns herrscht bald die Hungersnot..."
Bis eine spricht "Lass uns doch wimmeln zu den hehren Käsehimmeln.
Bei den Fratern einzukehren werde ich den Weg euch lehren."

Der Drachen pflückt die Siegelind von des mächt'gen Turmes Zinnen,
er klemmt sie locker untern Arm und flattert übern Tann von hinnen.
Sie rufet Hilfe und vom Aug sieht man ihre Tränen rinnen.
Die Ritter sich zum Retten rotten beim Teiche im Marillengrund,
um Prinzessin Siegelind zu schützen vor dem Drachenschlund.

Die Knappen sehn, Karotten mampfend, die Ritter manche Lanze brechen,
weil die Kettenhemdenträger scheppernd sich den Rang erstreiten,
wer den Drachenpelz der Dame morgen darf zu Füssen breiten.
Hernach ihre Rosse dampfend die Lungen aus dem Hals sich hecheln.

Es knattern Fahnen leis im Wind, die Recken rasten müd im Dreck
sie haben keine Lust mehr heute an dem Tiere sich zu rächen.
Sie bauen Zelte auf dem Fleck und fangen lautstark an zu zechen.
Der Drachen schluckt die Sieglind ganz samtens Kleid und Firlefanz
Als kleine Mahlzeit zwischendrein, so fährt sie in die Echse ein.

Über Berg und güne Wipfel setzt er seine Reise fort, hungrig ist er, grantig ist er,
und so kehret er nicht heim, denn zu dürren Adelsknochen
noch ein paar fette Mönchelein, in ihrem eignen Saft zu kochen
dazu hat er große Lust, lüstern bläht er seine Nüstern.

Derweil grimm auch Rattenhorden in Reih und Glied die Wege schreiten
hin zum Kapuzinerorden wo die gelben Käse reifen.
Als die Schatten länger fallen an dem elften Mai des Jahres
und Ratten in die Keller quellen spricht der Abt den leisen Segen
- auf Käseleib und Quittengeist -
die der Herr erhälten möge des mönchlichen Genusses wegen.

Nun nimmt das Schicksal seinen Lauf, die Schädlingsbrut ernährt sich wild.
Der Abt bekreuzigt sich ganz still und dann exklamiert er "Hülft!"
Der Orden windet sich zur Kette, vom Kellerloch zum Hofe hoch
wird alles Essbare gebracht und im Fackelschein bewacht.

Der Lindwurm traut den Augen kaum, das Klosterhof ist ein Bankett.
Nicht nur Gottesschaf voll Eifer, auch noch runde Käseleiber.
Die Flamme sanft auf Grill gestellt, schwebt er übers Himmelszelt.
Der Schmaus beginnt und viele Seelen der Herrgott zu sich rufet.

Hörner schallen, Rufe hallen, die Ritter sahn die Feuersbrunst,
so voll wie die Haubitzen, sie zu Pferde sitzen.
Der Drach denkt nach und fliegt aufs Dach
und schnaubt und faucht und lacht und grunzt,
ein verquerer Bissen macht, dass er schnöd erstickt und drauf
auf die edlen Herren kracht von den Kirchturmspitzen.

Der Nachtwind stöhnt, die Flammen prasseln, im Keller noch ein Bruder fröhnt
Er tauft mit klarem Quittenschnaps die Ratten für den heil'gen Papst.
Da fährt der Mephistopheles aus der Hölle auf und höhnt:
"Ich mag dich, du muntrer Bursch, nimm diesen Säbel und dann husch
hinauf. Hinauf, hinauf, entrinn dem Feuer!
In dem starren Drachenleib harret dir ein holdes Weib,
du musst ihn einfach nur zerlegen bis die Dirn sinkt dir entgegen.
Als Preis dafür ich meinem Meister, weihe dies Gemäuer."

Der Brave hackt wie ein Besengter und durch des Lindwurms Schuppen sprengt er,
schneidet sich durch das Gewebe und hofft das Siegelind noch lebe,
Bald hört er die Verschluckte schreien, sie reicht ihm die beringte Hand,
"Sei mein Galan du Drachentöter und regiere dieses Land!"
Mit Schaudern fliehen sie den Ort wo fortan nur die Teufel hausen,
sie leben redlich viele Jahr, gefolgt von ihrer Kinderschar.
Das ist wirklich so geschehn ich erzähl euch keine Flausen.
8.11.15 20:17


Geheymakten 4

Der kleine Racker im Igelkostüm führte mich durch düstere Gänge und Großraumbüros mit langen Tischen, wo Gesichter von Menschen schwach von Monitoren beleuchtet waren. „Das ist das Hauptquartier der Firma“ sagte er und machte mit einem seiner Ärmchen eine kreisrunde Bewegung über seinem Kopf, so als wollte er ein Lasso schwingen. „Aha, na das ist ja auch was“, sagte ich um etwas zu sagen. Ins Hauptquartier kommen wir Dipl-O-maten normalerweise nur bei schweren Funktionsfehlern, ich war das erste Mal hier. Schöne Sauerei, was war jetzt? „Machen Sie sich keine Sorgen, es gibt nur eine Anhörung.“

Ich entspannte mich wieder. Wir schritten weiter durch eine Lagerhalle, in denen große Schachteln bis an die Decke gestapelt waren. „Alles Kollegen von Ihnen“, sagte das Kind.Wir nahmen eine Treppe nach oben und dort schubste mich der Junge in einen Seminarraum voller Leute. „Viel Spaß!“ rief er und schloss die Tür von außen.

Ich suchte mir ein Plätzchen, stellte mein Köfferchen zur Seite und wartete. Ein Herr kam vorbei und steckte mir einen Stecker ins Ohrloch. Aha.Auf dem Podium saß eine alte Frau im Rollstuhl. Sie schaute kurz über die Anwesenden hinweg und sprach: „Meine lieben Freunde…“, als jemand gegen die Tür hämmerte. „Öffnet das Tor!“ rief eine Stimme vor der Tür. „Öffnet das Tor!“

Die Rollstuhlfahrerin stöhnte leise und murmelte etwas. Weil ich eingestöpselt war wie alle anderen, konnte ich es trotzdem verstehen: “Zu spät...“ Für was es zu spät war, dazu wollte sie sich nicht äußern. Sie rollte zur Tür und öffnete sie. Draußen stand ein anderes Kind, diesmal ein Mädchen mit weißen Engelsflügeln. „Öffnet das Tor!“, sagte der kleine monothematische Engel und rannte dann quietschend die Treppe hinunter. „Hinterher!“ rief die Rollstuhlfahrerin. Ihre Stirn hatte dabei eine steile Falte in der Mitte.

Also liefen wir ihr hinterher, die Treppe wieder hinunter, durch die Lagerhalle. Dort war das Mädchen auf die Regale geklettert und sprang nun wie ein Äffchen von einem zum anderen und warf die Kisten hinunter. Abgeschaltete Dipl-O-maten in Anzügen fielen aus ihnen heraus und lagen übereinander wie Schaufensterpuppen. Da ich gleich bei der Tür gesessen hatte und damit einen guten Start erwischt, war ich auch am dichtesten an ihr dran. Ich stieg auf einen Regalboden und erhaschte ihren Rockzipfel. Sie sprang dummerweise direkt auf meinen Kopf und schickte mich damit ins Land der Träume. Als ich wieder zu mir kam, beugte sich die Frau aus dem Rollstuhl über mich. „Öffnet das Tor!“ flüsterte ich und sie rollte mit den Augen.
2.10.15 22:55


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