Froschtuempel
                Froschtuempel - "Trübe Brühe, schmeckt aber!"
Biss zum Liebhaben

Frau von Welfensteyn stand hinter den schweren roten Samtvorhängen und seufzte: "Waf für ein wunderföner fahler Mond heute, mein Liebling! Laff unf doch ein wenig herumflattern!" Sie blickte über die Veranda auf den Park mit seinen schwarz gegen den Himmel ausgeschnittenen Krüppelbäumchen und ihr violettes Haar mit den weißen Strähnchen kam im flackernden Kerzenlicht ausgezeichnet zur Geltung. Herr von Welfensteyn säuselte vom Sekretär: "Du, Honigmäulchen, ich habe wieder über unferen Ruf in der Welt nachgedacht... Wie die Menffen unf haffen." Frau von Welfensteyn ging zu ihrem Gatten und legte ihm ihre schmale Hand auf deine knochigen Schultern. "Daf ist doch nun nichtf Neuef, Darling. Früher waren es Miftgabeln und heute ift ef fflechte Propaganda. Wie bifft du nur fo empfindlich geworden?" "Propaganda, Mäufelchen? Ja, richtig, Wörter. Du bift genial!" "Aber wiefo denn?" Ihre beringten Finger hielten inne beim Kämmen durch seine aschblonde Mähne und die Haut über ihren hohen Wangenknochen spannte sich. Welchen Floh mochte sie jetzt wieder in seinen verstaubten Hirnkasten gesetzt haben? Sie konnte den Floh förmlich schon springen hören. Tock. Tack. "Waf meinft du, könnten wir nicht einen diefer mittelmäffigen Ffreiberlinge dafür bepfahlen, ein paar Beftfeller über unfere Gattung pfu Papier pfu bringen? Ich ftelle mir da etwaf ffön Romantiffes vor, ef muff viel umf Küffen gehen. Umf Herpf! Um das Ffickfahl! Umf Liebhaben!" Frau von Welfensteyn war erleichtert und gerührt: "Mein Mäufelpfähnchen! Fo etwaf ffönef habe ich ja ffon feit Jahrpfehnten nicht mehr von dir gehört! Felftverftändlich kenne ich da eine geeignete Perfon. Fo ein rüfeligef unerfülltef Frauenpfimmer." "Dann laff unf gleich vorftellig werden." Herr von Welfensteyn sprang auf und verpuffte augenblicklich in eine kleine Fledermaus. "Halt, halt. Paff doch auf. Daf Glaf" hielt seine Gattin ihn zurück und öffnete die Fenstertür. Von draußen schloss sie sie, entließ das kleine zappelnde Tier in die Nachtluft und folgte ihm, nur einen Flügelschlag später.
6.10.13 20:12


Geheymakten 3

Auf dem Weg zum Schloßhotel war ich in den Zug eingestiegen und sass nun selbstverständlich in der ersten Klasse. Allein. Draußen war es dunkel und es hatte zu regnen begonnen. Ab und zu rollten ein paar Plebejer ihre Koffer an meinem Abteil vorbei, wahrscheinlich auf der Suche nach der Holzklasse, die es nicht mehr gab. Nach einer Weile, in der ich über einem säuregelben Roman über - ausgerechnet - trotteliges englisches Aristokratenpack fast weggenickt wäre, setzte ich mich noch einmal aufrecht hin; für ein bisschen drahtlose Kommunikation. Ich war jedoch noch gar nicht richtig zum Eintippen des Passwortes gekommen, als der Zug langsamer wurde und stehen blieb, was nichts besonderes war. Züge blieben alle Nase lang stehen. Trotzdem schaute ich aus dem Fenster und sah eine Bahnschranke. Das war schon seltsamer, weil Triebwagenführer ihre Vehikel normalerweise nicht an eine Schranke zum Warten abstellen, aber es kam noch absurder. Dort stand auch ein Wagen und daneben ein Mann mit einem Schirm, der mir eindeutige Handzeichen machte. Er winkte mir zu. Als ich mich gerade albern lachend abwenden wollte, holte er etwas aus dem Automobil. Es war ein Schild und auf dem stand "G. Heym – Bitte nehmen sie diesen Wagen!"

Nun denken Sie vielleicht, daß ich nicht hätte aussteigen sollen und all das ignorieren, wegen der allgemeinen Gefahr, die von Autofahrern nachts ausströmt. Ich aber wollte ja gerade der Spur des Paranormalen, nun ja, auf die Spur kommen und legte also schnell alles Notwendige in mein schmales Köfferchen zurück. Kurz darauf drückte ich mich schon gegen die Wagontür, hüpfte hinunter auf das Gleisbett und eilte zu meinem Chauffeur. "Was für ein Sauwetter heute!", startete ich die leichte Konversation. Er nickte nur und hielt mir die Tür auf. Er quetschte sich selbst auf den Vordersitz, denn er war eine lange Bohnenstange. Ganz im Ernst kam es mir so vor, als wolle er mit Kopf und Füssen den Wagen auseinanderdrücken, so wie Atlas vermutlich in seinen jungen Tagen, bevor er Himmel und derlei herumtrug. Die Stange brachte die Kiste in Schwung. Nachdem er mich eine Weile durch hügeliges Gelände auf gewundenen Strassen durch Kuhnester und liebliche Wäldchen gefahren hatte, die tagsüber und ohne Regen zumindest lieblich anmuten hätten können, mit glucksenden Bächlein und goldgelben Glockenblumen und so fort, fragte ich ihn:

"Wo fahren wir eigentlich hin, Sportsfreund?" Erschrocken hielt er sich mit beiden Händen die Ohren zu. So eine unterbelichtete Reaktion schockierte mich einigermaßen. Ich quake nicht oft, aber ganz sicher quakte ich ganz entig: "Die Hände ans Steuer Herrgottnochmal!". Aber er hörte mich ja nicht. Also gab ich ihm eine Ohrfeige auf seine Hände und richtig bekam er das Lenkrad gerade noch in den Griff, bevor wir an einer Kurve die Böschung hinuntergesaust wären. Ab da an sagte ich lieber nichts mehr. Ich wartete, bis er in die Einfahrt zu einem kleinen Haus abbog und den Motor abstellte. Er hielt mir die Tür von draußen auf und reichte mir den Schirm. Ich aber sah ein bißchen bedeppert an ihm vorbei auf das Haus, wo ich in großen geschwungenen Lettern "Bahnhof" las.

"Hören Sie mal, ich will zum Schloßhotel, will ich! Vom Bahnhof komme ich doch eben!", maßregelte ich ihn. Er schaute bedauernd auf mich herab, packte mich dann aber am Kragen und zog mich heraus wie einen Wurm, mit dem er vielleicht angeln wollte. So etwas ließ ich mir natürlich nicht bieten und drehte ihm gleich den Arm auf den Rücken. Aber weiß der Teufel, der Kerl war glitschig wie eine Flunder! Ich saß gleich auf dem Hintern und er sprang in die Limo. Ich ließ ihn lieber fahren. Nur kurz darauf stand ich auf, zog meinen Koffer aus dem Dreck und ging zu dem aschfahlen Haus. Wie ich bemerkte, war es auch gar kein richtiger Bahnhof mehr, es gab nämlich keine Schienen. Ich klopfte ganz vorbildlich an und ging hinein, meine Taschenlampe in der Hand. Hier konnte ich es mir ja derweil gemütlich machen. Drinnen war alles ganz ordentlich verstaubt und menschenleer, ein Schreibtisch und ein paar Schränke standen herum, Schaltkästen und Karten hingen an der Wand. Auf einem großen Werbefoto lachte mir das Glück entgegen, denn über dem kleinen Bahnhöfchen thronte dort das Schloßhotel wie eine Kröte auf einem Golfball. Ich hatte den Kasten im Dunkeln und im Regen einfach nicht gesehen. Nicht schlecht fürs erste, dachte ich und bedauerte meinen Fehler mit dem Fahrer reuevoll. Dann setzte ich mich an den Schreibtisch.

Auf dem Schreibtisch lag ein Teddybär. Auf dem Bären war etwas eingestickt: "Drück mich!". Und ich drückte, ganz unvorschriftsmäßig wiederum, wegen der Sprengsatzgefahr. Aber es knackte nur kurz in den Dielen, wo sich eine Falltür öffnete und eine Treppe hinab sichtbar wurde. 'Und weiter geht es, nur nicht einrosten...', dachte ich mir. Ich stieg in die Unterwelt, ganz wie Theseus dereinst, nur ohne Faden. Unten gab es nur einen Kohlenkeller, der aber immerhin noch eine weitere Tür hatte und die führte in einen Gang. Der Gang hatte vergitterte rote Oberlichter, die auch leuchteten. Rechts und links gab es eiserne Türen mit Hebeln. Neben den Türen Buchstaben und Zahlen, wie in einer Bunkeranlage. Durch die erste Tür, die seitwärts offen stand, schlüpfte ich. Innen gab es Regale mit verschlossenen Holzkisten. Ich nahm eine davon herunter und versuchte gerade das Schloss aufzubrechen, als ich den Frachtaufzug in der Wand bemerkte, groß genug für ein ganzes Schwein. Weil heute mein leichtsinniger Tag war und ich auf diese Weise schon so weit gekommen war schob ich die Kiste weg, überwand meinen Schauder, bückte mich und lieferte mich selbst eine Etage höher. Etwas wie ein Eimer kaltes Schmieröl floss nun über meinen Nacken, das aber konnte nur der Schreck gewesen sein, da von Öl nichts zu sehen war. Oben war indes ein großer Saal der aussah, als hätte ihn M. C. Escher für Kaiser Nero gebaut. Treppen führten durch Bögen und an den Wänden entlang zur Decke und zurück. Und als wäre das noch nicht Protz genug, war das alles auch noch verspiegelt wie Versailles, nur, oh jeh. Ich machte mich also auf, die Treppen zu besteigen und teuflischerweise drehte sich der Raum tatsächlich jedesmal so, dass jede Treppe, die ich gerade entlang ging, mir den aufrechten Gang erlaubte. Um mich herum huschten meine Spiegelbilder, was mich ganz irre machte. Ich lief und lief und war schon darauf gefasst, wieder meinen Ausgangspunkt zu erreichen, so wie ich zwischendrin einige Kreuzungen mehrmals durchschritten hatte, die ich mit Papierschnitzeln aus dem Aristokratenschmöker markiert, als ich eine kleine Pforte erreichte, die in eine der Wände eingelassen war. Ich klopfte nicht extra sondern trat nur müde dagegen. Die Pforte öffnete sich nach einer unanständig langen Wartezeit und heraus trat ein Rotzlöffel beziehungsweise also ein kleiner Junge in einem entzückenden Igelkostüm und sagte "Ich bin schon hier!"
30.6.12 11:13


Unsterblichkeit (Doppelpost)

Das ist eigentlich auch so eine Frage, die sich jeder stellt, wie kann ich Unsterblichkeit erreichen, wo ich doch ein Haltbarkeitsdatum habe? Die Antwort darauf sind dabei meist entweder Kinder, in die man den gewünschten Gehirninhalt kopiert, auf dass er sich weiterkopiere oder ein Druckerzeugnis damit oder eine wie auch immer geartete Ungeheuerlichkeit, über die Druckerzeugnisse produziert werden oder irgendein Programm, ob ungeheuerlich oder nicht. Nicht ganz so Helle probieren die Feinfrostmethode. Lassen wir den Frost als direkte Methode mal weg, geht es um Meme (Informationen) und Membehältnisse, also Copypaste (die Copypaste ist keine Zahnpaste). Das ist eigentlich schon alles, mehr braucht man da nicht drüber schreiben. Um was es mir eigentlich geht, ist der Inhalt, also das Mem an sich. Welche Qualität muss es haben, damit es hartnäckig weiterlebt? Auch klar, es muss nützlich sein wie ein Schweizer Taschenmesser. Man muss einfach alles damit beantworten können. Das wäre also auch schon geklärt. Nein, was ich eigentlich wollte ist die Frage, dass, wenn man schon etwas erfindet, muss es eigentlich etwas wichtiges oder richtiges sein oder nicht? Das kommt ganz auf euren Anspruch an, ob ihr glücklich damit werden wollt oder nicht. Mal abgesehen von den wenigen manischen Glückspilzen, die über etwas tatsächlich Wichtiges stolpern und das auch noch ausarbeiten wollen, graben doch die meisten, selbst die die es beruflich tun, also die meisten Unsterblichkeitssucher nur die Scherben und Knochen ihrer Vorfahren wieder aus, also sie erfinden, was schon erfunden wurde. Der praktikable Ausweg ist dann doch, dass man sich selbst verarscht, in dem man etwas ungeheuerlich schwachsinniges erfindet, dass aber viel Spass bereitet. So wurde das Jojo erfunden! Es braucht niemandem nutzen, man kann sich toll dabei fühlen. Das Feld der Nützlichkeiten ist eng umkämpft, das des Schwachsinns ist unbegrenzt. Schaut euch nur mal all die unnützen Patente an, all die geistes- und naturwissenschaftlichen Schriften, ach was, etc. pipi ein Gorgonzolatoaster vielleicht oder Tangastringtheorie. Seht ihr das Verhältnis? Und es gibt ein Superargument! In seltenen, unvorhersehbaren Fällen wird Schwachsinn nützlich und umgekehrt natürlich auch! Fragt mal die Mathematiker (das lass ich jetz so, extra provkant) :D Das war jetzt so ein bißchen von hinten durch die Brust, aber ich hoffe, es kommt trotzdem an. Mit Überzeugung Schwachsinn zu erfinden ist einfach, lustich, man ist in guter Gesellschaft und man weiss ja nie.
15.6.12 12:30


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